Sonntag, 15. Oktober 2017

Schwerer Abschied

Nun ist es schon wieder Oktober und ich konnte mich nicht richtig aufraffen den letzten Teil niederzuschreiben. Es ist wie eine Art endgültiger Abschied, wenn ich es dann auch noch schwarz auf weiß stehen habe und selbst mein Handy zeigt noch die jap. Zeit an. u.u
Jedoch ist es auch der Drang zur Perfektion, der mich nun doch diese letzten Zeilen tippen lässt, die zwar unendlich schnell vergingen, aber noch mal zieml. turbulent waren.

Am 21.8. (Montag) habe ich mich mit Vera nach dem Frühstück auf nach Harajuku gemacht, denn nach all der Kultur wollte sie dann noch ein paar coole Omiyage für ihre Lieben daheim und wir hatten viel Spaß beim Durchstöbern der Geschäfte. Natürlich durfte ein Crepé nicht fehlen. ;)
Anschließend ging es zurück nach Shinjuku, wo wir durch Kabuki-cho schlendertet und die verrückten Häuser bestaunten und auch am Gozilla-Kino stoppten. Dann liefen wir zum Rathaus, um als Abschied den Blick von oben zu haben. Endlich war ich auch mal auf dem linken Turm und konnte sogar in etwa ausmachen, wo mein 'Zuhause' liegt. Es war interessant zu beobachten, wie die großen Häuser sich an größere Straßen drängen und dann nur noch kleiner Bauten folgen.. Leider war es uns nicht möglich den Fuji zu sehen, aber auch so lohnt sich der Ausblick. So langsam fing ich aber an zu begreifen, dass auch meine Zeit hier ablief.
Danach ging es noch nach Nakano, wo Vera dann wirklich auch die letzten Omiyage-Wünsche finden konnte und selbst ich konnte noch ein bisschen Kleinkram ergattern. :3
Langsam aber sicher mussten wir zurück, denn wir wollten noch Abendbrot machen, bevor ich Vera dann zum Flughafen gebracht habe. Blöderweise hatte ich mein Portemonnaie liegen lassen und musste noch mal umkehren.. zum Glück waren wir nicht schon im Zug.
Dennoch haben wir alles pünktl. geschafft und es war wieder komisch Abschied zu nehmen. Da ihre Reise von einer langen Umstiegszeit geprägt war, hatte ich mir ein paar Sorgen gemacht. Aber sie kam gut zu Hause an.
Ich war gegen Mitternacht wieder zurück und bevor es ins Bett ging, war ich nochmal bei Doreen versackt. XD

Am 22.8. (Dienstag) hab ich erst einmal ausgeschlafen, dann versucht Ordnung zu machen und hab mich um die Bücher aus der Sophia gekümmert. Ein kl. Mittagsschlaf war auch dabei und in den späten Nachmittagsstunden machte ich mich auf nach Shinjuku, wo ich mich mit dem Herrn mit Hut getroffen habe. Zusammen ging es in ein Izakaya, was wirkl. hübsch war. Nachdem wir die Speißekarte besprochen hatten, war was mag, bestellten wir einmal lustig die Karte hoch und runter. ^^'' Ich war furchtbar aufgeregt und so hat es mir geholfen, dass wir uns am Anfang erst mal über unsere Lieblingsanimes unterhalten haben. Ziemlich lustig war es, als er mich dann doch nach meinem Alter fragte, da ich so viel 'alte' Sachen kannte. XD
Während dem Essen packte er dann seinen Laptop aus und wir haben uns dann mit dem nächsten Lieblingsthema beschäftigt; Rüstungen! XD (was mögen die zwei Mädels am Nachbartisch gedacht haben...)
Allerdings wurde es immer voller und voller und so schmiss man uns bald aus dem Gasthaus. Doch Herr S. kannte in Nakano eine tolle Bar, da sei er Stammgast und nach nem kurzen Telefonat, war herausgefunden, dass auch noch Platz für uns war. Als wir die Lokalität (Bar Hero III) betraten, verstand ich wieso er vorher fragen musste, ob Platz wäre. An der Theke gab es 4 Stühle, und in der Ecke noch nen kl. Tisch. Zunächst waren wir die einzigen Gäste, dann kam noch einer.
Aber es war ultra gemütlich und wir konnten gut quatschen, Bilder anguggen und austauschen. Tja, und so kam ich an dem Abend zu einer erstaunlichen Museums-Fotosammlung von ca. 5000 Fotos.. ô.O
Gegen 0³° war ich wieder zu Haus, war aber noch so aufgekratzt, dass ich erst gegen 2°° ins Bett kam.

Wieder kam ich am Mittwoch (23.8.) schlecht aus dem Bett. Doch nach dem Frühstück ging es gemeinsam mit Doreen noch mal zum Rathaus. Diesmal durften wir uns tatsächlich abmelden und wir mussten auch nicht lang warten, bis wir drankamen. Der Herr hinterm Schalter sprach allerdings so schnell, dass wir selbst mit 4 Ohren kaum hinterherkamen. Letztendl. bekamen wir nen Zettel in die Hand gedrückt und sollten dann noch in die 2. Etage, um die Krankenversicherung noch zu canceln. Gut, also sind wir dort hoch. Nach ein paar Minuten warten und beobachten, wurden wir stutzig, also erkundigte ich mich ob wir richtig seien. Jedoch mussten wir ordnungsgemäß noch ne Nummer ziehen, nur um dann gesagt zubekommen, dass irgendwie noch nen Zettel fehlt, den wir eigentl. hätten unten bekommen müssen. Wir hatten aber keinen solchen Zettel, und anstatt uns noch mal fix runter zu schicken, oder einen dumm in der Gegend rumstehenden Angestellten laufen zu lassen, gab es ein großes Durcheinander und wieder hieß es warten..
Letztendlich konnte aber alles geregelt werden, wir mussten noch nen kleinen Betrag bezahlen und dann war alles erledigt.
Leider musste/wollte ich noch mal in den Daiso um die Ecke, welcher einige Dinge im Angebot hatten, die wir anderswo noch nicht gesehen hatten, so dass etwas mehr im Körbchen landete, als geplant. Aber wer einmal in einem Daiso war, wird das nachvollziehen können!
Am Nachmittag, zurück zu Haus, füllte sich mit Kleinkram, mit einem Gespräch mit Mutti und ich habe angefangen meinen Rucksack zu packen. Der war auf der Herfahrt nur um de 17kg, jetzt sollten es 23kg werden. Mit all meinen Büchern, war das auch kein Problem.. ^^“
Am Abendbrotkochen hatten wir dann noch Kakerlakenbesuch. Bei Licht und trotz unserer Anwesenheit huschte sie aus unserm 'Badezimmer'. Vielleicht hats lecker gerochen,... aber ich bin todesmutig mit Gift hinterher, hab sie aber nicht wirkl. erwischt.. >.<
Nach dem Duschen begegnete sie mir nochmal. In prekärer Lage habe ich sie dann aber zum Glück erlegen können und nun dümpelte sie in Rückenlage hinterm Staubsauger, halb unterm Vorhang vor sich hin. Da keiner von uns den Mut besaß sie raus zu schmeißen blieb sie da auch erst mal liegen. XD Da aber eh die Vermutung besteht, dass sie durch den Spalt in der Hintertür reinkommen, ist sie vielleicht auch ein abschreckendes Beispiel. XD

Am Donnerstag (24.8.) begann dann die erste große Phase des Packens. Noch war im Rucksack viel Platz und noch ein paar Kilos übrig. Außerdem hab ich all den Uni-Kram aussortiert und abfotografiert, denn der Stapel war unheimlich schwer. Dennoch war es merkwürdig nun alles zusammenzuschnüren und auf dem Müll zu legen. Ein Jahr Anstrengungen und Mühe...
Gegend Abend verabredeten wir uns noch spontan mit Katharina zum Gyozaessen und so trafen wir uns alle am Bhf um in ein tolles Lokal einzukehren. Es war ein schöner Abend, an dem wir vier Mädels (Audrey, Doren, Katha & ich), noch mal ausgelassen quatschten. Katha kam sogar noch mal kurz mit zum Haus. Aber es war ein komisches Gefühl, als sie dann ging...

Am Freitag (25.8) stieg dann doch so langsam die Panik in mir auf. Wo kam auf einmal das ganze Zeug her? Und es stand fest, dass ich doch Pakete schicken müsste. 3 sind an dem Tag noch zur Post gegangen und meine zwei Posteumel schmunzelten doch arg, als Doreen und ich mit einem Stapel an Päckchen am Nachmittag in die Filiale einliefen. Wegen 4g und 20g musste ich doch dann tatsächlich noch mal 2 Päckchen öffnen...so ein scheiß! Vitamin B hilft auch in Japan nicht .. ~.~
Auch die Aussicht, dass ich Montag noch mal komme, ließ sie aufkichern. ^^
Der Zustand in der Schwebe zu sein, hat sich mir zieml. aufs Gemüt geschlagen. Man ist nicht mehr wirklich da, aber zu Haus ist man auch noch nicht.. der Abschied zieht sich über mehrere Tage und als ich meine Deko abgenommen habe, sah das Zimmer plötzlich so kahl und unpersönlich aus, dass es mir ganz schwer ums Herz wurde. Trotz dass man so viele Vorkehrungen trifft, packt usw. kann man in dem Moment nicht begreifen, dass das Leben hier nun endet …

Am Samstag (26.8.) wollt ich gar nicht aufstehen, als ich meinen Koffer erblickte... aber was muss das muss,.. ne?! Aber diesen Tag kann man im Grunde mit, gepackt, geräumt, gepackt, ausgemistet, gepackt, mit Mutti gequatscht, gepackt, zusammenfassen.
Das ausgedehnte Gespräch mit Audrey und Yugo am Abend war mit das einzige Highlight an dem Tag. Und ich hoffe sehnsüchtigst, dass ich die beiden irgendwann einmal wiedersehe!

Der pompöse Abschied sollte am 27.8. (Sonntag) durchgeführt werden. Gegen Mittag ging es mit Audrey und Doreen ins Kino zu dem Sekigahara Film (basierend auf einem Roman), auf den ich mich schon so gefreut hatte. (https://www.youtube.com/watch?v=KU4URaoQZ54) Ein letztes mal Popcorn mit Butter-Sojasauce-Geschmack, ein letztes mal die seltendämlichen Toho-Cinema Maskottchen und Japanisch volle Kanne. XD Die Bilder waren gewaltig und .. ja, wie es zu erwarten war, wenn man sich nen Film über ne Schlacht anguggt, auch recht gewalttätig. Aber ich bin noch nie so absolut nicht hinterher gekommen! Die Gespräche waren echt kompliziert >.< und Tokugawa war der absolute Arsch! Aber ich bin doch auf meine Kosten gekommen und konnte Rüstungen guggen bis zum Abwinken. XD Sogar konnte ich noch ein wunderbares Clearfile abstauben, das Letzte! *-*
Etwas gerädert gings heim, wo ich die letzten Sachen gepackt, und ich mit Doreens Hilfe schon mal online bei Lufthansa eingecheckt habe.
Mein Koffer und mein Rucksack wogen beide genau 23kg. Mein Rucksack 8,5kg und meine Laptoptasche um die 4kg.

Schon halb 6 ging es am 28.8. aus den Federn. Denn die letzten Kleinigkeiten mussten verstaut, die Koffer nach unten getragen und noch zwei Päckchen zugeklebt werden. Audrey machte sich 9°° auf den Weg zur Arbeit und ich zur Post. Die Tränchen klebten schon in den Augenwinkeln, aber ich brauchte noch ein paar Nerven. In der Post wurde ich herzlich empfangen, bekam noch ein kl. Abschiedsgeschenk und dann eilte ich zum Konbini, um mein Ticket auszudrucken.
Der Mensch von SakuraHouse war inzwischen schon damit beschäftigt mein Zimmer zu inspizieren und dann brach ich bald mit Doreen auf. Ich fühlte mich wie eine Schildkröte, von der Bewegungsfreiheit und wie eine Ameise, vom Gewicht her. Immerhin trug ich etwas über die Hälfte meines Eigengewichts (Reiserucksack + Rucksack). Doreen schnappte sich meinen Koffer und die Umhängetasche und so stiefelten wir gen Bahnhof. Ein Sitzplatz bedeutete heut mehr als alles andere und es tut mir heut noch leid, dass Doreen den Koffer eine Treppe nach oben tragen musste. (>.< gomeeeeen! Aber 1000 Dank!)
Als ich dann in Shinagawa auf die Bahn gewartet hab, musste ich dann doch zum 1.x heulen. Zum Glück bleibt mir wenigstens Doreen erhalten... und wir werden uns bald wiedersehen.
In der Bahn konnte ich zwar sitzen, aber am Flughafen kam ich beinah nicht hoch, denn den Rucksack abzuhuckeln wäre eine große Dummheit gewesen. Zum Glück bin ich diesmal von Haneda geflogen und mittlerweile mag ich diesen Flughafen sogar lieber, da er so zentral liegt.
Sofort hab ich mir nen Trolli geholt und mein Gepäck draufgewuchtet, um nun in Ruhe nach meinem Schalter zu suchen. Zuerst stand ich in der falschen Schlange, konnte aber noch in diese wechseln, wo es dann schneller ging, denn ich hatte ja mein Ticket schon. ^^d
Die nette Mitarbeiterin wollte mir mit dem Reiserucksack helfen und war dann mehr als überrascht, als sie merkte, wie schwer der war. XD
Nun hatte ich mein Gepäck soweit los und konnte mich wieder etwas besser bewegen, so dass ich mir ein letztes Mal eine Yuzu-Lemon-Limo gönnte (exte) und dann durch den Sicherheitsbereich bin. Natürlich musste ich die Schuhe ausziehen und noch mein halbes Gepäck auspacken. >_>
Danach ging es zum Transitbereich und als die Frau dann meine Residentcard entwertete und mir emotionslos zurückgab wars endgültig vorbei. Die Tränen liefen, scheiß egal ob man mich nun komisch beäugt.
Auch beim Warten auf den Flieger brauchte ich zwei Taschentücher. Gut, dass ich mit den guten dt. so sparsam war. Ich wusste, ich würde sie für genau diesen Augenblick noch brauchen! Gut, dass ich noch etwas mit Doreen texten konnte, um mich etwas abzulenken.
Das Boarding lief verspätet an, es gab keinerlei Ordnung (z.B. Fensterreihe zuerst einsteigen lassen.. simpel aber wirksam..), aber es verdeutlichte nur, ich komme Dtl. wieder näher .. yeah >.>
Beim Start konnte ich noch mal den Skytree sehen und in der ersten Stunde war ich mit heulen beschäftigt.. Blieben also nur noch 10 Stunden, die ich irgendwie rumkriegen musste. Das Essen war gut, das Unterhaltungsprogramm hätte schlimmer sein können. Zuerst hab ich natürlich noch mal Honnôji Hotel geschaut, dann Die Vermessung der Welt nach dem Roman von Daniel Kehlman, der vor einigen Jahren bei Figaro als Hörbuch lief. Das hatte mir damals mächtig gefallen, aber der Film war eher eine Enttäuschung und trieb mir oft genug die Röte ins Gesicht... (Neiiiin, die erotischen Szenen befinden sich nicht auf meinem Bildschirm... nein.. *hust* warum muss neben mir ein älterer Italiener sitzen >.<') Am Schluss schaute ich mir noch 'Alice hinter den Spiegeln' an (mein 1. Alice Film!). Ja, ganz nett.. ich mochte die Kostüme und die Backgroundstory der Herzkönigin. ^^
Schlafen klappte nicht so recht und irgendwann konnte man rausschauen und ganz deutl. Küstenlinien usw. erkennen. Die Hörspiele von Coldmirror retteten mich vor erneuten Tränen und dann landete ich in Frankfurt.
Von meinem Terminal zu dem, wo ich weiterfliegen musste, hätte man mit einer kl. Bahn fahren können, aber da kamen die Reisenden nicht weiter. Wieso, warum, weshalb, wollte uns die 'nette' Polizistin nicht sagen und nach ein bisschen Warten entschied ich mich für den Umweg. Schon an der Sicherheitskontrolle, wäre ich am liebsten wieder umgedreht! >.>
An meinem Gate kam ich schneller an, als man es beschrieben hatte.. (ich bin mittlerweile andere Entfernungen gewöhnt..) und so suchte ich ein Klo und was Zutrinken. Die teuerste Limonade meines Lebens schmeckte köstlich. Aber leider hab ich das Wlan nicht zum Laufen gekriegt und musste meine 3 Stunden Wartezeit irgendwie anders totschlagen.
Am merkwürdigsten fand ich es, dass ich plötzl. wieder so gut wie alle Gespräche um mich herum verstehen konnte. ô.O das war irgendwie gruselig! Außerdem liefen in Dauerschleife die neusten Nachrichten aus aller Welt und Dtl... >.> ähm.. kurze Zwischenfrage; darf ich zurück?
Leider nicht... und so ging es etwas verspätet in die nächste Maschine nach Leipzig/Halle. Der Flug war aber kürzer als geplant, so dass ich doch noch überpünktl. landete. (neben mir zwei ganz wichtige BWL Studenten ,.. boah.. Hass >.> )
Schnell waren meine beiden Koffer da und ich versuchte den Zoll so gut es ging zu ignorieren und freute mich schon total darauf meine Eltern zu umärmeln. Aber der Moment, auf den ich mich so lange gefreut hatte, auf den ich wochenlang hingefiebert hatte, wurde von einem Häufchen kreischender Tussis gecrasht, die einen noch nicht mal gutaussehenden Armee-Typi begrüßten. (Ich HASSE euch in alle Ewigkeit und verfluche euch!!!)
Aber eine Salamibemme und ein Klops warteten schon auf mich und ich war einfach zu müde zu allem. Im Auto nach Haus hab ich jedenfalls besser geschlafen, als im Flieger und als ich wieder in meinem Bett lag, fiel all die Anspannung dann wirkl. von mir ab.

ENDE

An dieser Stelle endet mein Jahr voller wundervoller Erlebnisse und kleinen Rückschlägen. Aber ich habe es sehr genossen!
Ich hoffe, es interessiert noch einige, wie es mir im Moment geht. Ich möchte noch einen kl. Bericht dazu schreiben, um noch mal ein bisschen zu reflektieren. Wir lesen uns also noch einmal. ;)
Da jedoch die Uni wieder begonnen hat, wird das wohl auch wieder eine ganze Weile dauern.. u.u Gomen

Bis dann~