Samstag, 7. September 2013

Die Abenteuer der letzten 3 Tage

„Tokyo, verdammte Scheiße. Da lag ich nun in diesem miesen kleinen Hotelzimmer auf einem knochenharten Futon und dachte an meinen Auftrag....“*
...tja, bloß was ist mein Auftrag?
Zunächst einmal vielleicht einen kühlen Kopf trotz der Sommerhitze zu bewahren.
Die letzten Tage waren teilweise sehr anstrengend und kompliziert für mich. Am 4. September war noch nichts weiter los. An dem Tag war noch frei und die letzten Ausländischen Studenten trudelten ein. Unter anderem auch ein sehr nettes Mädchen aus der 2. deutschen Partneruniversität Passau. Julia heißt sie und kann schon sehr gut Japanisch! Mit ihr hab ich mich noch viel unterhalten und bin froh nicht mehr die einzige Deutsche zu sein.
Doch auch dieser scheinbar so friedliche Tag hatte noch eine Überraschung für mich. Zunächst dachte ich es sind noch die Schwankungen in meinem Kopf, vom Flug und den Bahnfahrten, doch dann bemerkte ich, dass es ein Erdbeben war...es hatte, wie ich später erfahren habe Stärke 4. Letztes Jahr hatte ich schon 2 erlebt, aber die waren eher gering. Diesmal war es etwas heftiger und mir wurde schon etwas bange, weil auch auf dem Flur hier im Wohnheim eine Durchsage kam, aber ich hatte nichts verstanden. >.<“
ein Blick in mein Zimmer

Der 5. September war dann schon nicht mehr so ruhig und angenehm, wie der 4.
Heute war die erste Hürde schon das Frühstück... ok gestern gab es Spaghetti, aber heute wurde es noch merkwürdiger; es gab Reis und Schweinefleisch in Suppe und einen Algensalat. Nun ja.. besser als nichts...
Es hatte schon die ganze letzte Nacht gewittert und auch am Morgen hatte der Regen nicht nachgelassen. Und Regen heißt hier mehr Sintflut, gute Voraussetzungen, um durch die Stadt zu laufen...
Nach dem Frühstück holte uns der Oberorganisator dieses Austauschprogramms, Brian, am Wohnheim ab. Zunächst ging es zu den Behörden und wir meldeten uns in unserem 'Stadtviertel' an. All die Schalter, Pieptöne und Symbole verwirren einen mächtig! Am ungewöhnlichsten fand ich allerdings, dass wir für unsere nassen Schirme am Eingang eine Plastetüte nehmen mussten, wo wir die rein stecken konnten. Danach wurde diese entsorgt.
Solch eine Handhabung ist mir nun schon öfters aufgefallen. Nicht sehr umweltfreundlich, wie ich finde. Da gefallen mir die 'Regenschirm-Park-Ständer' schon besser.
Es ging alles gut auf dem Amt und wir stiefelten mit Brian weiter zur Uni. Naja, vorher kämpften wir uns durch die Wirren des Bahnnetzes. An dem unaussprechlichem (versucht es ruhig mal und steigert euch nach und nach in der Geschwindigkeit!) Bahnhof 'Takemukaihara' gingen wir noch mal durch ein recht ansehnliches Wohnviertel, bis wir schließlich an der Uni angelangt waren. Der Campus ist recht überschaubar und lässt sich von der Fläche her etwa mit dem Campus am Löwengebäude (+ dem Neuen Theater) vergleichen. Nur ist hier alles viel kompakter und die Gebäude haben viel mehr Stockwerke.
Nachdem wir unser unterwegs gekauftes Essen verspeist hatten, gab es eine Vorstellung der Mitarbeiter und wir mussten uns selbst noch vorstellen. Auch haben wir heute unsere Namensstempel (hanko) bekommen und die Formulare für die Bankkonten ausgefüllt. Zu meiner Überraschung kann man sich hier seine PIN selber aussuchen. ö.Ö
Nachdem soweit alles erledigt war fuhren wir mit 2 Japanerinnen nach Ikebukuro, um dort unsere Monatstickets für die Bahn zu holen. Zunächst waren wir im falschen Office. Nachdem das richtige gefunden und die richtigen Zettel ausgefüllt waren passierte bei mir eine kleine Tragödie; meine Kreditkarte hat versagt! Ich konnte nicht damit bezahlen und war total aufgelöst, denn letztes Jahr funktionierte sie eigentlich gut.
Das belastete meine Nerven schon sehr! Naja,.. wir sind zusammen zum Wohnheim zurückgefahren und gingen schnell essen. Wir alle waren hungrig. Das Hight-light dieses Abendbrotes war ein 'Macha-Pudding mit Anko' (grüner Tee-Pudding mit süßen, roten Bohnen). Schade, dass das Näbbel so schnell alle war. (._.)

niedliche Werbung (^o^) warum gibts das bei uns nich auch?

Am 6.9. wollte ich eigentlich 6:33Uhr aufstehen, aber dank Risus wiederbelebten Handy wurde ich schon 5:30 geweckt.....
Nach dem Frühstück trafen wir uns alle in der Lobby um gemeinsam den Weg zur Uni zu suchen. Von Asaka bis Wakoshi (Umsteigepunkt) machten wir das Drama der Rush Houer mit; umfallen unmöglich! Zum Glück dauerte das nich lang. Brian holte uns von der Station ab und führte uns wieder zur Uni. Als erstes mussten wir heute unsere Japanischtests absolvieren. Es gab einen leichten und einen schwereren. Danach wurden wir in die Kurse eingeteilt. Bei mir und 2 weiteren war es allerdings recht schwierig. Wir sollen uns nun 2 Wochen den Beginner und den Vortgeschrittenen Kurs ansehen und entscheiden, was für uns besser ist. (ö.ö) ich bin noch ein bisschen im Zwiespalt, was ich davon halten soll.


Als nächstes war eine Mittagspause angesetzt. In einem Bereich für 'internationale Freundschaften' gab es für alle Pizza und Knabbereien und zu Trinken. Weitere japanische Studenten und Lehrer kamen hinzu. So konnte man erste unbefangene Kontakte knüpfen. Ich hab schon 2 sehr nette Japanerinnen kennengelernt, die Harajuku auch total toll finden. Die eine davon lernt sogar Deutsch, aber erst seit diesem Semester.
Diese ungezwungene Zeit war leider viel zu schnell um und wir sind wieder zum Klassenzimmer. Dort wurde uns noch was zu den Kursen erzählt, die wir neben dem Japanischkurs belegen sollen/ können. Und dann gings auch schon weiter zum nächsten Tagespunkt.
Das spannendste war heute der Besuch im Life Safety Learning Center in Ikebukuro.


Hier haben wir gelernt, wie wir uns in Gefahrensituationen verhalten sollen. Besonders viel Wert legt man da in Japan auf Erdbeben und Tsunamis. Zunächst wurde uns ein Film gezeigt, in dem es darum ging, wie Erdbeben entstehen und was sie für Folgen haben können. Auch das Beben von 2011 und seine Folgen wurden erwähnt. Allerdings fiel in keinem einzigen Satz das Wort Fukushima. Noch nicht einmal bei der Erwähnung der betroffenen Orte.

Danach gings an die praktischen Übungen, welche teilweise doch recht lustig waren. Und ich bin froh mal geübt zu haben, wie ein Feuerlöscher funktioniert! Und nicht vergessen immer schön KAJIDAAAAAA rufen! (FEUER) Die 2. Übung, die wir machen mussten, war; bei Rauch- bzw. Feueralarm durch einen Raumparkour zu 'laufen'. Dabei wurde das Licht allmählich gedimmt und auch ein gewisser Duft, ähnlich wie Qualm, war zu riechen. Die letzte Übung bestand darin schnellstmöglich mit einem Kissen auf dem Kopf unter einen Tisch zu kommen. Das allerdings, wenn sich die Umgebung auch bewegt. Wir saßen auf einer Plattform, die beweglich war. Damit konnte man verschiedene Erdbeben simulieren. Wir bekamen Magnitude 7 zu spüren. Zunächst dachte ich, 'hui, das schüttelt ganz schön.' Aber von einem Moment auf den anderen wurde es noch heftiger. Nun half es auch nicht mehr viel den Tisch festzuhalten, denn dies diente wohl wahrscheinlich nur dazu, dass dieser über uns blieb und nichts auf uns fallen konnte. Es war schon ein sehr beklemmendes Gefühl. Ich hoffe sehr, dass mir so etwas hier erspart bleibt!
Nach diesem Programm trennten sich Schüler und Lehrer voneinander und wir Schüler wollten zunächst karaoke singen gehen, doch dann wurde umentschieden und einige sind los in ein isakaya  (eine Art jap. Kneipe). Doch ich und noch ein paar andere mussten ihre Monatskarte noch holen. Heute habe ich einfach bar bezahlt....Dann sind wir zu der Absteige an der Hauptverkaufsstraße in Ikebukuro gelaufen.
Dort drin musste man für einen bestimmten Bereich seine Schuhe ausziehen und in ein kleines Fach einschließen. Als ich zur Toilette wollte musste ich Pantoffeln anziehen, die für die Gäste bereit standen. Als ich allerdings hineinschlüpfte pickste mich etwas in meinen großen Zeh. Auf der Toilette sah ich mein Unglück; ein Glassplitter von ca. 5mm steckte darin. (>.<) Nachdem ich mich verarztet hatte ging ich zurück zum Tisch. Zu Anfangs war es noch ganz nett. Doch irgendwann war mir das Englisch zu schnell und ich fand nicht mehr wirklich den Anschluss. Also beschloss ich zum Wohnheim zurückzufahren. Blöderweise hatte ich ein Glas Mango-irgendwas getrunken. Und so richtig mitgeschnitten, dass das eine 'nomihodai' (trink soviel du kannst) war, hab ich auch nicht. Welch Lehre wird mir das sein!
Allein hab ich mich dann durch den Untergrund der Ikebukuro-Station gekämpft. Tatsächlich hab ich nach einer Weile die Tobu-Toju-Linie gefunden und lieber nochma gefragt, ob der Zug wirklich nach Asaka fährt.
Aus Angst, es nicht mehr rechtzeitig zum Abendbrot zu schaffen, ging ich noch an einem Konbini (kleiner 24h Supermarkt) vorbei und hab mir noch 2 Onigiri (Reisbällchen) und Bohnen geholt. Doch ich hab es gerade noch so geschafft und durfte noch was essen. So schnell hatte ich noch nie gegessen! Wie man es in den Animes immer sieht, so habe ich geschlungen. Schade, denn es war so lecker, ich hätte es gern mehr genossen! (._.)'

Bis zum nächsten mal, eure Misuka

RTL-Preisfrage: Welche 2 Buchstaben fehlen?

p.s. Da es hier Alexander und mich, Alexandra, gibt und wir beide bis jetzt nur Alex genannt wurden und es dadurch ständig Verwechslungen gab, wurde heut beschlossen mich A-chan zu nennen. (^^)''


* Zitat aus Pastewka in Japan Teil I (2004)

2 Kommentare:

  1. Noch nicht mal eine Woche in der Fremde und schon so viel erlebt ^^
    Dein Blog ist ja besser als jeder Abenteuerroman ;)
    Lass dich nicht unterkriegen!! :)

    ....E+R ... was hab ich gewonnen? XD

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  2. Oh wow... du hast ja schon ne ganze Menge erlebt (obwohl ich spätestens bei der Glasscherbe gestorben wäre ><)... aber schön zu hören, dass du trotz allem den Mut nicht verlierst! ^^
    ...
    Aber das mit den Regenschirmtütchen fand ich immer voll praktisch (klar ist es ne Plasteverschwendung... aber eben auch recht praktisch... vor allem wenn neben der Apparatur noch ein total schnuckligen Japaner rumsteht, der dir das Schirmchen unbedingt eintüdeln will! ^____^)
    Und A-chan klingt ja echt voll kawaii... obwohl ich dann doch lieber bei Weber-san bleiben möchte, wenn das ok ist!? ^^

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