„Tokyo, verdammte Scheiße. Da lag ich
nun in diesem miesen kleinen Hotelzimmer auf einem knochenharten
Futon und dachte an meinen Auftrag....“*
...tja, bloß was ist mein Auftrag?
Zunächst einmal vielleicht einen
kühlen Kopf trotz der Sommerhitze zu bewahren.
Die letzten Tage waren teilweise sehr
anstrengend und kompliziert für mich. Am 4. September war noch
nichts weiter los. An dem Tag war noch frei und die letzten
Ausländischen Studenten trudelten ein. Unter anderem auch ein sehr
nettes Mädchen aus der 2. deutschen Partneruniversität Passau.
Julia heißt sie und kann schon sehr gut Japanisch! Mit ihr hab ich
mich noch viel unterhalten und bin froh nicht mehr die einzige
Deutsche zu sein.
Doch auch dieser scheinbar so
friedliche Tag hatte noch eine Überraschung für mich. Zunächst
dachte ich es sind noch die Schwankungen in meinem Kopf, vom Flug und
den Bahnfahrten, doch dann bemerkte ich, dass es ein Erdbeben
war...es hatte, wie ich später erfahren habe Stärke 4. Letztes Jahr
hatte ich schon 2 erlebt, aber die waren eher gering. Diesmal war es
etwas heftiger und mir wurde schon etwas bange, weil auch auf dem
Flur hier im Wohnheim eine Durchsage kam, aber ich hatte nichts
verstanden. >.<“
| ein Blick in mein Zimmer |
Der 5. September war dann schon nicht
mehr so ruhig und angenehm, wie der 4.
Heute war die erste Hürde schon das
Frühstück... ok gestern gab es Spaghetti, aber heute wurde es noch
merkwürdiger; es gab Reis und Schweinefleisch in Suppe und einen
Algensalat. Nun ja.. besser als nichts...
Es hatte schon die ganze letzte Nacht
gewittert und auch am Morgen hatte der Regen nicht nachgelassen. Und
Regen heißt hier mehr Sintflut, gute Voraussetzungen, um durch die
Stadt zu laufen...
Nach dem Frühstück holte uns der
Oberorganisator dieses Austauschprogramms, Brian, am Wohnheim ab.
Zunächst ging es zu den Behörden und wir meldeten uns in unserem
'Stadtviertel' an. All die Schalter, Pieptöne und Symbole verwirren
einen mächtig! Am ungewöhnlichsten fand ich allerdings, dass wir
für unsere nassen Schirme am Eingang eine Plastetüte nehmen
mussten, wo wir die rein stecken konnten. Danach wurde diese
entsorgt.
Solch eine Handhabung ist mir nun schon öfters aufgefallen. Nicht sehr umweltfreundlich, wie ich finde. Da gefallen mir die 'Regenschirm-Park-Ständer' schon besser.
Solch eine Handhabung ist mir nun schon öfters aufgefallen. Nicht sehr umweltfreundlich, wie ich finde. Da gefallen mir die 'Regenschirm-Park-Ständer' schon besser.
Es ging alles gut auf dem Amt und wir
stiefelten mit Brian weiter zur Uni. Naja, vorher kämpften wir uns
durch die Wirren des Bahnnetzes. An dem unaussprechlichem (versucht
es ruhig mal und steigert euch nach und nach in der Geschwindigkeit!)
Bahnhof 'Takemukaihara' gingen wir noch mal durch ein recht
ansehnliches Wohnviertel, bis wir schließlich an der Uni angelangt
waren. Der Campus ist recht überschaubar und lässt sich von der
Fläche her etwa mit dem Campus am Löwengebäude (+ dem Neuen
Theater) vergleichen. Nur ist hier alles viel kompakter und die
Gebäude haben viel mehr Stockwerke.
Nachdem wir unser unterwegs gekauftes
Essen verspeist hatten, gab es eine Vorstellung der Mitarbeiter und
wir mussten uns selbst noch vorstellen. Auch haben wir heute unsere
Namensstempel (hanko) bekommen und die Formulare für die Bankkonten
ausgefüllt. Zu meiner Überraschung kann man sich hier seine PIN
selber aussuchen. ö.Ö
Nachdem soweit alles erledigt war
fuhren wir mit 2 Japanerinnen nach Ikebukuro, um dort unsere
Monatstickets für die Bahn zu holen. Zunächst waren wir im falschen
Office. Nachdem das richtige gefunden und die richtigen Zettel
ausgefüllt waren passierte bei mir eine kleine Tragödie; meine
Kreditkarte hat versagt! Ich konnte nicht damit bezahlen und war
total aufgelöst, denn letztes Jahr funktionierte sie eigentlich gut.
Das belastete meine Nerven schon sehr!
Naja,.. wir sind zusammen zum Wohnheim zurückgefahren und gingen
schnell essen. Wir alle waren hungrig. Das Hight-light dieses
Abendbrotes war ein 'Macha-Pudding mit Anko' (grüner Tee-Pudding mit
süßen, roten Bohnen). Schade, dass das Näbbel so schnell alle war.
(._.)
| niedliche Werbung (^o^) warum gibts das bei uns nich auch? |
Am 6.9. wollte ich eigentlich 6:33Uhr
aufstehen, aber dank Risus wiederbelebten Handy wurde ich schon 5:30
geweckt.....
Nach dem Frühstück trafen wir uns
alle in der Lobby um gemeinsam den Weg zur Uni zu suchen. Von Asaka
bis Wakoshi (Umsteigepunkt) machten wir das Drama der Rush Houer mit;
umfallen unmöglich! Zum Glück dauerte das nich lang. Brian holte
uns von der Station ab und führte uns wieder zur Uni. Als erstes
mussten wir heute unsere Japanischtests absolvieren. Es gab einen
leichten und einen schwereren. Danach wurden wir in die Kurse
eingeteilt. Bei mir und 2 weiteren war es allerdings recht schwierig.
Wir sollen uns nun 2 Wochen den Beginner und den Vortgeschrittenen
Kurs ansehen und entscheiden, was für uns besser ist. (ö.ö) ich
bin noch ein bisschen im Zwiespalt, was ich davon halten soll.
Als nächstes war eine Mittagspause
angesetzt. In einem Bereich für 'internationale Freundschaften' gab
es für alle Pizza und Knabbereien und zu Trinken. Weitere japanische
Studenten und Lehrer kamen hinzu. So konnte man erste unbefangene
Kontakte knüpfen. Ich hab schon 2 sehr nette Japanerinnen
kennengelernt, die Harajuku auch total toll finden. Die eine davon
lernt sogar Deutsch, aber erst seit diesem Semester.
Diese ungezwungene Zeit war leider viel
zu schnell um und wir sind wieder zum Klassenzimmer. Dort wurde uns
noch was zu den Kursen erzählt, die wir neben dem Japanischkurs
belegen sollen/ können. Und dann gings auch schon weiter zum
nächsten Tagespunkt.
Das spannendste war heute der Besuch im
Life Safety Learning Center in Ikebukuro.
Hier haben wir gelernt, wie
wir uns in Gefahrensituationen verhalten sollen. Besonders viel Wert
legt man da in Japan auf Erdbeben und Tsunamis. Zunächst wurde uns
ein Film gezeigt, in dem es darum ging, wie Erdbeben entstehen und
was sie für Folgen haben können. Auch das Beben von 2011 und seine
Folgen wurden erwähnt. Allerdings fiel in keinem einzigen Satz das
Wort Fukushima. Noch nicht einmal bei der Erwähnung der betroffenen
Orte.
Danach gings an die praktischen
Übungen, welche teilweise doch recht lustig waren. Und ich bin froh
mal geübt zu haben, wie ein Feuerlöscher funktioniert! Und nicht
vergessen immer schön KAJIDAAAAAA rufen! (FEUER) Die 2. Übung, die
wir machen mussten, war; bei Rauch- bzw. Feueralarm durch einen
Raumparkour zu 'laufen'. Dabei wurde das Licht allmählich gedimmt
und auch ein gewisser Duft, ähnlich wie Qualm, war zu riechen. Die
letzte Übung bestand darin schnellstmöglich mit einem Kissen auf
dem Kopf unter einen Tisch zu kommen. Das allerdings, wenn sich die
Umgebung auch bewegt. Wir saßen auf einer Plattform, die beweglich
war. Damit konnte man verschiedene Erdbeben simulieren. Wir bekamen
Magnitude 7 zu spüren. Zunächst dachte ich, 'hui, das schüttelt
ganz schön.' Aber von einem Moment auf den anderen wurde es noch
heftiger. Nun half es auch nicht mehr viel den Tisch festzuhalten,
denn dies diente wohl wahrscheinlich nur dazu, dass dieser über uns
blieb und nichts auf uns fallen konnte. Es war schon ein sehr
beklemmendes Gefühl. Ich hoffe sehr, dass mir so etwas hier erspart
bleibt!
Nach diesem Programm trennten sich
Schüler und Lehrer voneinander und wir Schüler wollten zunächst
karaoke singen gehen, doch dann wurde umentschieden und einige sind
los in ein isakaya
(eine Art jap. Kneipe). Doch ich und noch
ein paar andere mussten ihre Monatskarte noch holen. Heute habe ich
einfach bar bezahlt....Dann sind wir zu der Absteige an der
Hauptverkaufsstraße in Ikebukuro gelaufen.
Dort drin musste man für einen
bestimmten Bereich seine Schuhe ausziehen und in ein kleines Fach
einschließen. Als ich zur Toilette wollte musste ich Pantoffeln
anziehen, die für die Gäste bereit standen. Als ich allerdings
hineinschlüpfte pickste mich etwas in meinen großen Zeh. Auf der
Toilette sah ich mein Unglück; ein Glassplitter von ca. 5mm steckte
darin. (>.<) Nachdem ich mich verarztet hatte ging ich zurück
zum Tisch. Zu Anfangs war es noch ganz nett. Doch irgendwann war mir
das Englisch zu schnell und ich fand nicht mehr wirklich den
Anschluss. Also beschloss ich zum Wohnheim zurückzufahren.
Blöderweise hatte ich ein Glas Mango-irgendwas getrunken. Und so
richtig mitgeschnitten, dass das eine 'nomihodai' (trink soviel du
kannst) war, hab ich auch nicht. Welch Lehre wird mir das sein!
Allein hab ich mich dann durch den
Untergrund der Ikebukuro-Station gekämpft. Tatsächlich hab ich nach
einer Weile die Tobu-Toju-Linie gefunden und lieber nochma gefragt,
ob der Zug wirklich nach Asaka fährt.
Aus Angst, es nicht mehr rechtzeitig
zum Abendbrot zu schaffen, ging ich noch an einem Konbini (kleiner
24h Supermarkt) vorbei und hab mir noch 2 Onigiri (Reisbällchen) und
Bohnen geholt. Doch ich hab es gerade noch so geschafft und durfte
noch was essen. So schnell hatte ich noch nie gegessen! Wie man es in
den Animes immer sieht, so habe ich geschlungen. Schade, denn es war
so lecker, ich hätte es gern mehr genossen! (._.)'
Bis zum nächsten mal, eure Misuka
| RTL-Preisfrage: Welche 2 Buchstaben fehlen? |
p.s. Da es hier Alexander und mich,
Alexandra, gibt und wir beide bis jetzt nur Alex genannt wurden und
es dadurch ständig Verwechslungen gab, wurde heut beschlossen mich
A-chan zu nennen. (^^)''
* Zitat aus Pastewka in Japan Teil I
(2004)

Noch nicht mal eine Woche in der Fremde und schon so viel erlebt ^^
AntwortenLöschenDein Blog ist ja besser als jeder Abenteuerroman ;)
Lass dich nicht unterkriegen!! :)
....E+R ... was hab ich gewonnen? XD
Oh wow... du hast ja schon ne ganze Menge erlebt (obwohl ich spätestens bei der Glasscherbe gestorben wäre ><)... aber schön zu hören, dass du trotz allem den Mut nicht verlierst! ^^
AntwortenLöschen...
Aber das mit den Regenschirmtütchen fand ich immer voll praktisch (klar ist es ne Plasteverschwendung... aber eben auch recht praktisch... vor allem wenn neben der Apparatur noch ein total schnuckligen Japaner rumsteht, der dir das Schirmchen unbedingt eintüdeln will! ^____^)
Und A-chan klingt ja echt voll kawaii... obwohl ich dann doch lieber bei Weber-san bleiben möchte, wenn das ok ist!? ^^