Freitag, 27. September 2013

Viel Kultur und schmerzende Füße

Schon wieder ist eine Woche um. Die Zeit rennt wirklich, oder? In Deutschland auch?
Für mich wird es schon langsam zur Normalität, hier zu leben. Natürlich ist es anders als in der Heimat. Natürlich begegnet man jeden Tag noch kleinen Wundern. Aber man achtet nicht mehr auf seine Umwelt, saugt nicht mehr jedes neue Detail auf, sondern läuft stur die Wege ab, die man kennt. Ach, apropos laufen,... das ist ein guter Einstieg für den heutigen Post.

Denn am Samstag den 21.9. bin ich so ca. um die 20km durch Tokyo gelaufen. Ja 20km! Und glaubt es mir, an dem Abend war ich fix und alle und wollte mich nie wieder bewegen. Doch wie es dazu kam möchte ich euch nun berichten.

Am Samstag war der 'Walking-Day' von Brian. Start war 9:30Uhr in Ikebukuro.
Er führte uns zunächst in zu einem Tempel (Zoshigaya Kishimojindo Tempel), in dem man um Glück für Mütter und Kinder bitten konnte. Es war sehr interessant. Tokyo ist ein Ort der Gegensätze. Läuft man ein paar Meter abseits der großen Straßen findet man kleine verschlafene Plätze. Ich finde es faszinierend, dass diese Kontraste überall in Japan zu finden sind. Nicht nur in der Umgebung wird das sichtbar, sondern dies zieht sich durch alle Bereiche der Gesellschaft und Kultur, eingeschlossen Kleidung, Musik und Speisen.

Such die Katze, such!
Doch zurück zum Tempel...(^.^) dort gab es nämlich auch einen Kiosk, in welchem eine Katze schlief. Oh, die war so niedlich und flauschig. Scheinbar ist sie schon ein Maskottchen, denn am Kiosk konnte man sogar Postkarten von ihr kaufen.

Zum nächsten Tempel, dem Gokokuji-Tempel, gings zunächst erst an einem recht großen Friedhof
vorbei und dann hindurch. Nachdem wir ein paar Fotos gemacht haben und auch hinein gehen konnten, liefen wir auch schon weiter. Einen Tempel oder einen Schrein darf man sich nicht als ein Gebäude vorstellen. Es ist vielmehr eine Anlage in der mehrere einzelne Bauten, Statuen und Laternen stehen. Das zentralste Gebäude ist meist das Hauptgebäude.
Holztäfelchen für Wünsche
Tempel gehören zum Buddhismus und Schreine zum Schintoismus. In was man sich nun befindet ist immer ein bisschen schwierig. Aber wenn man am Eingang durch ein Torii gegangen ist, dann folgt auf jeden Fall ein Schrein. ;) Und im Tempel müsste man demzufolge irgendwo mindestens eine Buddha-Statue finden.


Auf dem Weg zum nächsten Schrein unterhielt ich mich mit einer doch recht eigenartigen Japanerin. Oder sie sich eher mit mir?! Sie blickte mich kaum an, und obwohl ich ihr sagte sie solle etwas langsamer sprechen, weil ich kaum was verstehe, redete sie einfach munter weiter.
Wir liefen auch zusammen durch die Schreinanlage, in der es heut ein Fest gab. Das war sehr praktisch, weil wir dort gleich Mittag essen konnten. Es gab so viele Buden, aber nach jeder 5. wiederholte sich das Essensangebot. Ich entschied mich nach langer
mit essbarem 'Teller'
Überlegung für ein Hashimaki (dünnes Okonomiyaki auf Stäbchen gerollt) und eine Schokobanane (für nur 200¥ ).
yummi (^u^)
Bei traditioneller Musik erholten wir uns noch etwas, bevor es dann weiter zur Todai ging. Wow, ich war an der Todai!!! Todai ist die Abkürzung für Tokyo Daigaku (Tokyo Universität). Hier studiert die Elite! Nur die Besten der Besten werden hier angenommen.
Hauptegäude der Todai
Der Campus ist riesig und der Baustiel ist eine Mischung aus Kathedrale und Bauhaus.


Weiter gings zum nächsten Schrein. Auch hier gab es etwas besonderes zu erleben, denn es fand gerade eine Shinto-Hochzeit statt. Bis auf das Brautpaar waren alle Hochzeitsgäste in schwarz gekleidet.
Es herrschte oft Stille. Ab und zu man hörte man nur den durchdringlichen Klang der Flöten und die Gesänge der Mönche.
Schrein-Dienerin verteilt Sake
Nach der Zeremonie fuhr die ganze Hochzeitsgesellschaft in großen, schwarzen und glänzenden Autos davon.


Inzwischen waren wir von Ikebukuro nach Ueno gelaufen. Wir liefen durch den Onshi-Park, eine der ältesten
ein Feld voller Lotuspflanzen
Parkanlagen Japans, blieben kurz bei einem Straßenkünstler stehen und ich fand schon wieder den nächsten starken Kontrastpunkt. Denn neben dem Spielplatz, wo die Kinder tobten und ihren Eltern zuwinkten, schliefen die Obdachlosen. Diese Szenerie wirkte so unwirklich...

Am Tokyo Nationalmuseum verabschiedete sich Brian und verkündete uns noch, dass wir laut seiner Uhr (!) zusammen 12km gelaufen sind.


Sehr von Vorteil war, dass der Eintritt für ausländische Studenten heute frei war, und so stolzierten wir mit unseren grünen Bändchen, die wir am Eingang bekamen, durchs Museum. Ok, die Französinnen rannten mehr und so teilte sich unsere Gruppe sehr schnell. Zu sehen gab es viele schöne, alte Dinge. Zum
Is die nich total genial?!
Beispiel Näbbeln, Teekannen, Kalligraphie Boxen, Kimonos, Bücher und und und. Im 2. Gebäude des Geländes waren internationale Fundstücke ausgestellt. Unter anderem auch Dinge, die mir aus meinem Archäologiestudium und dem Louvre bekannt waren. (^_^)

Nach dem Museum gings endlich Richtung Wohnheim! Die Strecke vom Bahnhof bis zu besagtem Ziel erschien mir ewig! (Pro Stecke sind das übrigens 2km.)

Was verdammt lesen die da? Mein Sparbuch?
Nach dem Abendbrot wurde uns noch die Bankkarte gegeben, und tatsächlich; es ist die Winnie Puuh-Karte. Ich werd verrückt!

Am Sonntag war nichts tun und lernen angesagt. Aber am Abend durften wir an der heiligen Zeremonie des Rollbraten-essens teilnehemen. Der Manager vom Wohnheim (Aoki-san) hatte gekocht und schnitt nun den Braten in dünne Scheiben. Diese wurden kunstvoll auf einem Teller drapiert und wir durften kosten. Alle rufen total begeistert oiiishiiii! (lecker) (-.-) nunja, was soll ich sagen es war nur Rollbraten,.. es gibt besseres..aber ich war höflich und habe mitgerufen. Von 2 dünnen Scheiben wird man natürlich nich satt und so gabs noch lecker Nudeln aus'n Konbini.

Am Montag den 23.9. gabs schon die nächsten interessanten Erfahrungen. Nach meinem Unterricht war ich noch mal im richtigen Supermarkt und hab viele Schnäppchen gemacht. Zudem habe ich Dinge für Frauen gekauft, an sich soweit ok. Doch an der Kasse wurde mir das in eine extra Tüte, die schwarz war, eingewickelt, damit man es nicht durch meine weiße, eigentliche Plastetüte durchsieht...(ö.Ö) ach,..Japaner...

'Pausenbrot' = Onigiri
Die restlichen Tage waren unimäßig nich sooo spannend. Der Unterricht ist anstrengend und ich mache immer fleißig Hausaufgaben.

Am Mittwoch den 25. allerdings sind Julia und ich mal mit dem Uni-Bus zurück zum Wohnheim gefahren. Das war eine sehr interessante Angelegenheit, denn wir saßen direkt hinterm Fahrer. Linksverkehr live...sehr spannend!
Ich werd es Hermine nennen ^.^
Aus Dumdideldei bin ich heut auch mal am Briefkasten vorbei und siehe da ich habe Post. \(^___^)/ und was für welche! Zunächst ein Japanisches Renten-Buch. (keine Ahnung was das soll...ich soll's aufheben und vor Abreise wieder abgeben). Aber der Clou war der Brief von Risu! Ooooh~ ich hab so gequietscht! Ein kleines Eulchen und eine Karte waren drin. Vielen lieben Dank dafür!

Der Donnerstag war hingegen sehr komisch...Zuerst hatte ich wieder Unterricht bei Brian, wo ich heut auch noch mit einer Gruppe Jungs zusammenarbeiten musste, die ganz schüchtern waren mit mir über Olympia 2020 zu diskutieren. Der Kurs kann heiter werden!

Am Nachmittag bin ich mit Julia nach Ikebukuro ins ClosetChild (Second hand Lolita-Laden) gefahren. Mal abgesehen von den immer noch viel zu teuren Kleidchen hab ich nix gefunden. (>.>) Nur eine wunderschöne Kette hab ich gekauft.
Dann durchstöberten wir noch die CD-Abteilung. Plötzlich kam ein Mann rein, gab ein paar Flyer ab, lies von sich ein Foto machen und ging wieder. Welch Schock traf mich als ich auf den Flyer starrte. Es war der Sänger (?, glaub ich) von Malice Mizer!! (o.O) wtf! Wie geil!

Auch im animate (Manga-/ Anime-Laden) bin ich heut auf den 6 Etagen nicht wirklich fündig geworden..nur nen Miku-Drink hab ich gekauft.


Oh, und auch der Freitag (27.9.) war nicht mein Tag. Hab heut auch aus Spaß den Anfängerkurs mal mitgemacht und war schockiert wie viele Partikel ich die ganze Zeit durcheinander hau...-.- wie deprimierend! Danach musste ich noch ewig warten, weil wir heute erklärt bekommen sollten, wie man die Geldkarte benutzt. Zwar hab ich derweil Kanji gelernt und Buch gelesen, aber beim Lesen knickte mein Kopf alle 2 Minuten nach unten weg. Blöd dass man in der Uni nich noch nen Raum zum schlafen hat. Im MCV (Musashi Communication Village = Treffpunkt für ausländische Studenten) is schlafen leider verboten. (u_u)'

Dann endlich gings zur Bank. Zuerst Geld einzahlen, und dann überweisen. In Deutschland kein Problem, aber hier mit all den Tasten mit zu vielen Kanji drauf...es gibt noch nich mal nen Knopf für Englisch. (>.<) Keine Ahnung wie, aber ich hab meine erste Miete bezahlt.

Der einzige Tost war heut mein Yakult und ganz viel Essen zum Abendbrot.



Puh, das war heut ein langer Eintrag. Aber danke, dass ihr durchgehalten habt.
Und wie immer gibt es nun noch das Rätsel. Heut mit einer Schätzfrage;

Hier auf dem Foto seht ihr 4 Bauarbeiter zur Mittagspause. Doch wie viele Bauarbeiter werden wohl insgesamt an der Baustelle von ca. 30-40m Länge beschäftigt sein?
Bin auf eure Antworten gespannt. 

Bis zur nächsten Woche. Eure Misuka (^o^)/


7 Kommentare:

  1. Juhu, essen ^___^
    Bei Dir sieht es ja noch so richtig schön warm aus. Hier gabs heute Morgen den ersten Bodenfrost... >.<
    Geniese den warmen Herbst und lass Dich nicht unterkriegen!
    Für diese fragwürdigen Aufdrucke müsste man diese Bankkarten eigentlich reklamieren dürfen >.>
    Hauptsache das Bezahlen klappt :)

    Und zu den Bauarbeitern... hm... ich werf mal 16 in den Raum ^^

    AntwortenLöschen
  2. Ahhh.... das hat sich also hinter dem Marathonmarsch verborgen... Klang aber wirklich interessant was man euch alles so gezeigt habt... und dass ihr sogar bei einer ShintoHochzeit dabei sein durftet ist schon ziemlich beneidenswert!
    Und auch wenn es dafür Schläge geben wird: Ich mag die Winnie Pooh Bankkarte! ^^'' (Sei froh, dass da nicht Stitch drauf ist, der war total angesagt als ich in Japan war...)
    ...
    Ach und beim Tampon-kauf kann man sich echt nen tierischen Spaß draus machen! Sag beim nächsten Mal einfach, dass du die Tüte nicht brauchst und die Teile so tragen willst ODER geh an eine Kasse, an der ein Verkäufer abkassiert... Du wirst deine helle Freude dran haben! XD (Ging mir jedenfalls so! ^___^y)

    AntwortenLöschen
  3. Ja, 16 is schon nich schlecht, aber nich ganz so viele. ^_^

    AntwortenLöschen
  4. Ich denk mal die hier ruhenden Arbeiter brauchen jeder einen Ersatzmann, doch 8 wäre bestimmt zu einfach. Also vermute ich , die Ersatzmänner brauche auch noch ne gewisse Reserve, so sag ich mal es sind 12 !?

    AntwortenLöschen
  5. Ach, schade Mutti, das war ganz, ganz knapp...^^ aber beinah!

    AntwortenLöschen
  6. Bevor die ersten Beschwerden kommen; Es war doch kein Bandmitglied von Malice Mizer, sondern von deren Cover-Band. (>.>) sorry, das kann ja mal passieren, die sehen eh alle gleich aus....

    AntwortenLöschen
  7. Nunja,... da keiner sich erbarmt noch einen Tipp abzugeben und ich privat die richtige Antwort schon gehört habe ;)
    löse ich diese Frage selbts....13 wären es gewesen...

    AntwortenLöschen