Mittwoch, 1. Januar 2014

Durch Japan im Sauseschritt

Hallo alle miteinander. Wie war euer Jahreswechsel? Frohes Neues! Meiner war der unspektakulärste, den ich je erlebt habe. Mehr dazu aber erst nächste Woche, denn jetzt folgt der gaaaanz lange Bericht über die Busreise. Viel Spaß dabei. (^__^)

Zeitig wollten wir uns alle am 26.12. in der Lobby des Wohnheims treffen, damit wir schnell noch frühstücken können und dann loslaufen. Doch Julia und ich waren die einzigen, die pünktlich waren. (so haben wir eines unserer deutschen Klischees bestätigt...) Zu allem Übel gabs auch noch den komplizierten Fisch mit den dünnen Gräten und die meisten Chinesinnen hatten total die Ruhe weg, während Julia und ich schon die Hummeln im Hintern hatten. 8:45 sollten wir an der Uni sein und da wir viel Gepäck hatten wollte ich unbedingt den Local nehmen, doch der war beim besten Willen nich mehr zu schaffen, trotz dass wir eher als unsere Trödelliesen losgelaufen sind. Das hieß nun leider umsteigen in den Semi, der früh natürlich völlig überfüllt war! Jule und ich ärgerten uns etwas, dass wir noch ein bisschen auf die anderen gewartet hatten, weil wir nun auch erst kurz vor knapp da sein werden, und dass wo wir doch die einzig pünktlichen waren! (ò.ó) Auch die Trödel-Chinesinnen kamen zur gleichen Zeit in der Uni an, wie wir. Keine Ahnung, wie die das geschafft ham?! Nun gut, alles noch geschafft, das war die Hauptsache.

Bevor wir in den Bus einsteigen durften, bekamen wir alle noch ein Umhängeschild mit unserem Namen, unserer Landesflagge und auf der Rückseite befand sich eine Telefonnummer eines 'Lehrers' und die Adresse von unserem Hotel in Nagoya. Des weiteren mussten wir noch ein Stäbchen aus dem Umschlag für die ausländischen Studenten ziehen. Ich hatte Sitz Nr. 11 und meine japanische Sitznachbarin war eigentlich recht nett. Und dann konnte es auch schon losgehen. 
Nach einiger Zeit waren wir aus Tokyo raus und die Landschaft begann sich zu verwandeln. Statt einem Häusermeer sah man jetzt viele kleine Ortschaften, Tee- und Reisfelder und bald erhoben sich auch die steilen Berge links und rechts der Straße. Leider war es heute doch recht trüb und regnerisch, so dass wir den Fuji nicht sehen konnten. Wir hatten sogar unsere eigene Reiseleiterin dabei und die erzählte uns auf der Fahrt allerhand Interessantes und Wissenswertes. Als wir einen LKW mit alten Fahrrädern überholten sagte sie die Hitparade des meist vorkommenden Mülls in Japan an; Auf Platz 1: Fahrräder, Platz 2: geht an Futons und auf Platz 3 sind Regenschirme. Irgendwann konnte ich der guten Frau aber nicht mehr zuhören. Da sie durchweg auf Japanisch redete lies meine Aufmerksamkeit mehr und mehr nach. Bald kamen wir in einer Stadt Namens Okazaki an und dort war unsere 1. Station eine Miso-Manufaktur. 
Miso ist eine Art Würzmittel, welches in Japan oft als Suppengrundlage verwendet wird. Durch pressen und lange lagern wird die sogenannte Misopaste aus verschiedenen Sorten Bohnen gewonnen. Nach einer wirklich schnellen Führung durch die Lagerhallen mit den großen Holzfässern durften wir Suppe kosten und im Verkaufsraum gab es sogar Reiscracker mit Miso zum kosten. Einen kleinen Beutel haben wir sogar geschenkt bekommen. (^_^) Im Anschluss ging es weiter zu einer Papierlampen-Werkstatt. 
Viele Tische waren für uns aufgebaut und wir wurden platziert. Uns wurde kurz erklärt, wie die Lampe zu machen ist und wir durften uns kleine Bildchen aussuchen, die die Lampe zieren sollten. Ich hatte mich für die Wappen von Tokugawa Ieyasu, Toyotomi Hideyoshi und Oda Nabunaga, drei berühmten Feldherren und ein shintoistisches Symbol entschieden. 
Als unsere Lampen fertig waren durften wir noch dem Altmeister zusehen und unterhielten uns mit dem Mitarbeitern des kleinen Betriebes. Nun war es schon dunkel geworden und wir fuhren zum Hotel. Auch die Zimmeraufteilung war schon festgelegt und ich hatte Glück im Unglück. Zwar kannte ich nur ein Mädchen aus meinem Zimmer, aber wir waren nur zu viert und nich 9 Leute im Raum! Unser Zimmer war zudem ein richtig traditionelles mit Tatami-Matten, Futons und Yukatas. Gleich nach der Ankunft gab es auch schon Abendbrot. 
auf dem Foto is noch nich mal alles drauf
Noch geschafft von der Reise hatte ich nicht wirklich Appetit und dass das Essen auch noch typisch japanisch war, machte die Sache nich besser. Aber wenigstens sah alles hübsch aus. Nach dem Essen wurden wir mit kleinen Bussen zu einem Hochhaus gefahren und ganz oben wartete die nächtliche Szenerie von Nagoya auf uns. Blöderweise war der oberste Bereich dieses Hauses nicht wirklich überdacht und so regnete es rein. 

Nicht nur das, es gab auch noch eine 'Lichtershow', bei der wir von Wassernebel umhüllt wurden und dieser dann in unterschiedlichen Farben angeleuchtet wurde. Frierend und mit Kopfschmerzen lief ich nach diesem letzten Tagespunkt mit zwei 'Lehrern' zurück zum Hotel. Nachdem ich meine Schuhe trocken geföhnt hatte bin ich mit meiner einen Zimmergenossin ins Gemeinschaftsbad, Ofuro genannt. Oh, war das herrlich! Man schruppt sich vorher ordentlich ab und dann steigt man in ein Becken mit ca. 40°C Wassertemperatur und lässt sichs gut gehen. (*__*) 
Nach dem Baden zieht man dann den Yukata an, welcher auch gleichzeitig als Schlafanzug dient. 

 

Am nächsten Tag (27.12.) sollte es schon zeitig losgehen und bevor ich wieder in den Bus stieg verteilten die beiden Kinder von einem Lehrer (Brian), die er mitgebracht hatte, unser Frühstück. Wieder hieß es ein Stäbchen ziehen und meine heutige Glückszahl lautete 28. Meine heutige Sitznachbarin kannte ich schon ein bisschen und wir haben uns gut unterhalten. Heute mal viel auf Englisch, wo ich doch gestern ausschließlich Japanisch gesprochen hatte. Heute ging es zum Schrein von Ise. 
Dieser soll angeblich der prächtigste Schrien ganz Japans sein, was ich aber nicht wirklich sagen kann, weil man den prächtigsten Teil als Normalsterblicher gar nich zu sehen bekommt. Dieser Schrein wird übrigens auch alle 20 Jahre neu erbaut und die alten Teile als geweihtes Baumaterial an Schreine im ganzen Land verteilt. 2013 war es wieder mal soweit, weshalb das Holz noch eine ganz helle Farbe hatte. Das sah wirklich schön aus. In diesem Schrein wird unter anderem auch die Sonnengöttin Amaterasu verehrt. 
Sie soll die Urahne des Tennō gewesen sein. Aber nach dem 2. Weltkrieg, zur Kapitulation sollte der Tennō seine Göttlichkeit ablegen und dem widersprechen. Es gibt noch mehr Sagen und Mythen zu ihr und einiges über die Sonnengöttin musste ich dann erst mal meiner Sitzplatznachbarin erklären, weil sie das nich wusste....Durch den Schrein wurden wir ganz schön gescheucht! Nich ma ne halbe Stunde und wir waren wieder draußen. Gern hätte ich mir das Gelände drum herum noch angeguggt, aber nein es geht weiter zum Mittagessen. 
Da ich keinen Hunger hatte und noch was vom Frühstück übrig, seilte ich mich irgendwann ab und machte mich auf die Suche nach Mitbringseln (Omiyage). Gleich neben dem Schrein gibt es eine historische Einkaufsstraße mit allerlei Klimbim und Essen. Weiter ging es dann nach Iga. Nein, nich zur Gartenausstellung, sondern in ein Ninja-Museum. 
Zuerst ging es ein traditionelles Haus. Da bekamen wir von einer netten Dame Tricks und Verstecke gezeigt, die sich die Ninjas damals bautechnisch so ausgedacht hatten. Anschließend schauten wir uns im Museum Waffen, Kleidung und derlei Dinge an. 
auf dem Schirm balanciert er eine Münze
Zum Abschluss gab es noch eine Show. Lustig und interessant gestalteten sich die Darbietungen. Am Ende durfte selbst jeder mal probieren, wie es ist, die Metallsterne gegen einer Holzwand zu werfen. Meine 5 sind alle stecken geblieben. (^_^)v Der Sohn von Brian war so angetan von Ninjas, dass er ihnen schon vorher ein Buch gebastelt hatte und es nun voller Stolz überreicht hat.

Sehr müde schliefen fast alle im Bus auf der Rückfahrt zum Ryokan (traditionelles Hotel) ein, auch ich. Nach ein bisschen warten gingen wir alle in den Speißeraum und dort wartete ein wunderbares Buffet auf uns. 
Doch zuvor stellten sich ein paar ältere Herren vor, die wir zuvor noch nich gesehen hatten. Allesamt waren sie ehemalige Musashi-Studenten und haben diese Reise so bissel mit finanziert. Denn das alles, was wir hier erlebten, hat uns im Endeffekt nur rund 150€ gekostet! Nach dem Essen sollten wir Ausländer mal vor zur der kleinen Bühne kommen. Ich ahnte schon das schlimmste, doch was sahen meine müden Augen da liegen?? 
Richtige tolle Kimonos!! Sofort war ich wieder hell wach. Wir durften uns einen aussuchen und anprobieren. Das Gefühl war unbeschreiblich! Die Schwere und der Glanz der Stoffe waren einfach traumhaft! Es ist nicht der Wert sondern das Wesen dieses Stoffes, das ihn so ehrfürchtig erscheinen lässt! Ich erwähne hier mal am Rand, dass so ein Kimono ca. 60.000€ kostet und ausleihen für einen Tag ist auch schon sündhaft teuer! Ich weiß nicht warum, aber ich fühlte mich in dem Moment wie eine Braut. 
Leider durften wir nur ca. 10 min damit für Fotos posieren und mussten ihn dann schon wieder ausziehen, aber diese Augenblicke werde ich niemals vergessen! Danach wurde noch ein bisschen gesungen, Karaoke und die Alten sangen uns die Hymne der Musashi vor. Zudem sollte ich auch noch mal auf die Bühne, um für alle Geschenke entgegen zu nehmen. Wieso gerade ich, hab ich bis jetzt noch nich raus gefunden, aber ich war in dem Moment so verwirrt, was man mir auch ansah. Man war das peinlich. (^^'') Nach der Feierlichkeit sind wir alle wieder ins Bad und hatten viel Spaß.


 Nun war schon der letzte Tag (28.12.) der Reise gekommen. Nach einem traditionellen, aber diesmal sehr leckeren Frühstück schnappten wir alle unsere Sachen und es ging erst mal zum Schloss von Nagoya. 
Meine Platznummer war heut die 13. Da wir ein bisschen Verzug bei der Abfahrt hatten wurde diese Zeit natürlich von der Besichtigungszeit des Schlosses abgezogen, weshalb wir gerade mal eine ¾ Stunde für die 5 Etagen hatten. So schnell hab ich mir noch nie ein Museum angeguggt. Viel kann ich darüber nicht erzählen, weil ich nicht viel gesehen hab... (._.) Nach dem Schloss fuhren wir weiter zum Toyota-Museum, was interessanter war, als ich dachte. Wer jetzt denkt, ein Auto-Museum is ja langweilig, nö, dem ist nich so! 
Auch ich konnte hier noch was lernen, denn wie auch ich nicht wusste startete Toyota um die Jahrhundertwende mit der Produktion von Webmaschinen. Erst um die 20-er, 30-er Jahre begann die Autoproduktion. So waren in der ersten Ausstellungshalle ausschließlich Webmaschinen verschiedener Epochen zu sehen. 
Und voller Stolz erzählte ich: „An so ähnlichen Maschinen hat mal meine Mutti gearbeitet.“ In der 2. Halle gings dann um die Autoherstellung. Von der Skizze bis zum fertigen Auto. Und hier konnte ich sagen: „Oh, guggt mal, an so ner ähnlichen Maschine arbeitet mein Vati.“ Auch den Unimate, den ersten Industrieroboter, an dem Toyota mit geforscht hat hatten sie da, genau so wie einen humanoiden Roboter, den ich ausversehen mit dem Asimo von Honda verwechselte. (^.^'') 
erstes Toyota-Model
Es gab auch eine Bastelecke, aber wieder nur für kleine Kinder und so schauten wir alle nur traurig und neidisch dabei zu, wie die kleine Tochter von Brian ein Aufziehauto zusammenbaute. (~_~) Die letzte Station war ein edles Hotel, bei dem wir uns am Buffet unser Mittagessen zusammen stellen konnten. Innerhalb einer Stunde hab ich gegessen und vor allem getrunken was das Zeug hält. Schließlich war die Zeit vorbei und der Bus fuhr wieder in Richtung Tokyo. Wir wurden auf der Fahrt noch mit englischen und japanischen Filmen bespaßt, obwohl ich jedoch mehr geschlafen habe. 

Und da heut gutes Wetter war hatten wir diesmal einen einmaligen Blick auf den Fuji! (*o*) Der Fuji ist eben doch nicht einfach bloß ein Berg! Es war ganz schön schwer, aus den 38 Fotos das schönste für den Blog auszuwählen.


Gegen 18°° waren wir wieder an der Musashi. Das letzte Stück des Weges bis zum Wohnheim bin ich allein noch gelaufen. Die anderen haben den Bus genommen, aber ich hatte das Gefühl mich nich sonderlich viel in den letzten Tagen bewegt zu haben. Da wir alles mehr mit dem Bus gefahren sind und das meist bis vor die Tür. Zudem ging einfach alles zu schnell. Wir waren eben mit einer japanischen Reisegruppe unterwegs gewesen, in japanischem Reisetempo...



Ich hoffe es war nich all zu viel für euch und ihr hattet Spaß am Lesen und habt vielleicht sogar noch was gelernt. (^_^) Das würde mich freun. Bis zum nächsten mal,

eure (schon wieder ein bisschen kränkelnde) Misuka

3 Kommentare:

  1. Ohhhh... Die Skyline von Nagoya... *Fernweh bekomm* *.*
    Aber im Ernst: Man weiß ja gar nicht so recht, welche Bilder man zu seinen Favoriten erklären soll: Die mit der wunderbaren Architektur, dem ganzen leckeren Essen, dem Fuji, der Skyline oder dich im Kimono... Also ich tentiere zu letzterem! ;) (Auch wenn es mir der gewundene Turm von Nagoya nicht leicht gemacht hat! ^^')
    Ansonsten habt ihr ja wirklich wahnsinnig viel gesehen, nur Schade, dass es alles in so einem knappen Zeitraum eingeplant war... Aber jetzt hast du ja noch ein wenig Zeit bis die Uni und die Prüfungen los gehen. Da kannst du ja vielleicht noch den einen oder anderen Eindruck auf dich nachwirken lassen.
    Ich wünsch dir auf jeden Fall ne otschen Ferienwoche und kuriere dich ein bisschen aus! ^x^

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  2. Na, da hast du ja allerhand zu sehen bekommen und auch erleben dürfen. Schade ist nur, dass du nicht die nötige Zeit hattest um alles mehr zu besichtigen und zu genießen. Zum Glück konntest du Fotos machen und so nochmal alles in Erinnerung rufen. Ich kann mir gut vorstellen, wie es dir bei der Anprobe des Kimonos war. Was müssen das für edle Stoffe sein, bei dem schwindelerregenden Preisen ! Das Essen sieht immer so wenig aus (jedoch immer sehr schön dekoriert), alles nur so kleine Häppchen. Es ist allerdings beim Buffet gut, da kann man wenigstens von allem kosten. Ich wünsche dir viel Spaß mit Risa und noch eine angenehme Ferienzeit. Außerdem gute Besserung!

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  3. Auch wenn du mir alles schon erzählt hattest, hat es doch echt Spaß gemacht, deinen Reisebericht zu lesen! ;) Freu mich umso mehr auf unsren Urlaub...auch wenn ich wieder mal feststellen musste, dass wir unbedingt irgendwann mal noch eine Japan-Rundreise machen müssen! Da führt wohl kein Weg dran vorbei...Ach und da müssen wir dann auch unbedingt ins Ninja-Museum *neid* :P

    Meine Favoritenfotos sind eindeutig die mit dir als Motiv (und die vom Ninjamuseum) Wobei ich sagen muss, dass auch das Essen echt lecker aussieht!
    Bin froh, dass wir beide dann nicht in japanischen Reisegruppentempo vorgehen müssen und uns alles in Ruhe ansehen werden :P
    Bin schon sooo gespannt!

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